Outlook Express

Dieser Artikel soll einen kurzen Überblick über Outlook Express bieten und ist nicht als ein Benutzerhandbuch zu verstehen, sondern lediglich als eine Übersicht über die neuen Funktionen. Weiterhin sollen einige Tips und Tricks zum effizienteren Umgang mit Outlook Express den Artikel ergänzen. Anregungen zu dieser Rubrik und Erfahrungen von Benutzern sind jederzeit willkommen. Vor allem zum Bereich Sicherheit durch digitale IDs sind Erfahrungen von Anwendern wichtig, um auf Probleme beim Erwerben und Benutzen von digitalen IDs konkret eingehen zu können.

Allgemeines

Der Internet Explorer enthält in der Version 4.0 jetzt auch einen neuen Mail- und News-Client. Unter der Bezeichnung Outlook Express ist das einfach strukturierte Internet Mail & News jetzt endlich erwachsen geworden und kann sich nun auch gegenüber professionellen Email-Clients wie beispielsweise Qualcomm's Eudora 3.0 oder dem Newsreader Forte (Free) Agent sehen lassen. Gleich vorab soll allerdings bemerkt werden, daß Outlook Express noch immer einige Funktionen der genannten Profitools vermissen läßt, und deshalb in der aktuellen Version eher dem semiprofessionellen Bereich zuzuordnen ist. Dafür daß es sich allerdings um eine kostenfreie Beigabe zum ohnehin schon gratis erhältlichen Internet Explorer 4.0 handelt ist Outlook Express sicherlich für viele Anwender erste Wahl - und eine gute Wahl.

Auf die Frage, was sich denn seit dem mit dem Internet Explorer 3.0 verfügbaren Internet Mail & News geändert hat, müßte man eigentlich mit ALLES antworten. Outlook Express ähnelt auf den ersten Blick durch seine neue (optionale) Navigationsleiste dem großen Bruder Outlook 97. In den aktuellen Betaversionen wurde allerdings nach der Installation zunächst die bereits bekannte Ordneransicht dargestellt, die sich jedoch jederzeit in eine Outlook-Navigationsleiste ändern läßt. Wer eine Art nahtlose Integration in Outlook 97 oder eine direkte Kompatibilität erwartet hat, der wird leider enttäuscht. Es handelt sich um zwei wirklich verschiedene Programme, die auf unterschiedliche Einsatzbereiche spezialisiert sind.

Was gibt es Neues in Outlook Express?

IMAP4 und LDAP: Neue Email-Protokolle

Outlook Express unterstützt jetzt - wie auch der neue Mail-Client von Netscape, der jetzt auf den Namen Messenger hört - die beiden Protokolle LDAP und IMAP4.

LDAP soll die Suche nach Email-Adressen im Internet erleichtern, indem es direkt auf netzweite Email-Adreßdatenbanken (wie z.B. Four11) zugreifen kann. Dies funktioniert bereits, wenn man lediglich den gewünschten Namen in das Adreßfeld einer Email einträgt. Gibt man hier einen (echten) Namen ein, so wird zunächst Ihr lokales Adreßbuch durchsucht, und im nächsten Schritt auf ein eventuell vorhandenes LDAP-Verzeichnis in Ihrem Unternehmensnetzwerk zugegriffen. Hilft das alles nichts, greift Outlook Express auf eingetragene LDAP-Verzeichnisserver im Internet zu. Daneben lassen sich - wie auch bei Netscape - elektronische Visitenkarten, die sogenannten vCards anlegen und austauschen.

Das Protokoll IMAP4 wird nun ebenfalls unterstützt und ermöglicht es, die Email strukturiert auf dem Mailserver zu verwalten. Der Vorteil liegt vor allem darin, daß bei einem Zugriff von verschiedenen Rechnern aus immer das komplette Mailangebot zur Verfügung steht. Bisher war bei POP3 lediglich das Abholen der Mail zur Offline-Betrachtung möglich, wobei die Email im allgemeinen nach dem Abholen auf dem Server gelöscht wurde. Allerdings unterstützen manche Email-Clients auch bei POP3 (so auch Outlook Express) die Angabe eines Zeitraumes oder anderer Regeln, die festlegen, wann Email vom Server gelöscht werden soll. Hierdurch wird die Email zumindest noch eine Zeitlang auf dem Server gehalten.

Multiple Account Management

In Outlook Express können mehrere Email-Accounts und NNTP-Server verwaltet werden, wobei sich für jedes Konto ein eigenes Profil erstellen läßt. Durch umfangreiche Filtermethoden lassen sich nun Emails automatisch sortieren oder beantworten sowie relevante Newsgroup-Themen oder Threads direkt filtern. Allerdings fehlt noch die Unterstützung der Boolschen Operatoren (z. B. UND, ODER) wie sie dem ein oder anderen Benutzer aus anderen Programmen bekannt sein dürften. Für den Alltagsgebrauch läßt sich mit dieser Einschränkung allerdings gut leben.

Mail mit Format

Mit Outlook Express kann man nun auch Nachrichten im HTML-Format versenden, was für Email ebenso wie für Postings in Newsgroups gilt. Allerdings sei hierbei gleich angemerkt, daß vor allem in Newsgroups die Verwendung von HTML nicht gerne gesehen ist, und man sich unter Umständen damit keine Freunde macht. Nachrichten im HTML-Format sind (bei gleichem Inhalt) deutlich umfangreicher als reine Textnachrichten (was in der Natur der Sache liegt). Man sollte seinen Spieltrieb hier etwas bremsen und auf die Internetgemeinde Rücksicht nehmen, da Bandbreite noch immer eine kostbare Ressource darstellt und hier in Deutschland für den Telekom-Kunden nicht kostenfrei und unbegrenzt zur Verfügung steht.

Formatierung und Kodierung

Für die Text-Formatierung und "normale" Verhältnisse empfiehlt sich hier die Verwendung von MIME ohne weitere Kodierung bzw. mit "quoted printable"-Kodierung und Abschaltung der Zulassung von 8-bit Headern für Newsgroups. Hierdurch werden Header für die Nachricht generiert, die kompatibel mit jeglicher Client- und Server-Software sein sollten. Allerdings können trotzdem manche Server nicht auf 8 Bit-Zeichen eingerichtet sein und dann das 8. Bit "strippen". Dies erkennt man dann an falschen Umlauten etc. In diesem Fall muß man für Mail oder Newsgroups die quoted-printable-Kodierung benutzen. Base64-Kodierung ist für Text völlig unüblich, wird jedoch automatisch für Attachments verwendet, wenn es nicht um Text-Dateien handelt. Text zu kodieren ist also völlig unnötig und oftmals kontraproduktiv, weil viele die kodierten texte nicht lesen können.
Attachments werden dagegen je nach Art der Datei automatisch einer Kodierung unterzogen, um den "unverhackstückten" Transport über alle dazwischenliegenden Server sicherzustellen. Wenn Sie für Text "keine Kodierung" gewählt haben, bedeutet das also nicht, daß Sie "schlechte" Attachments verschicken würden. Gegebenenfalls müssen Sie jedoch eine bestimmtes Text-Format wählen, um die Kodierung Ihrer Attachments zu bestimmen: Uuencode verursacht z.B. Probleme, wenn Sie an einen T-Online-Adressaten schicken, während umgekehrt MIME-Atttachments bei Compuserve- und MSN-Kunden fehlerhaft ankommen.

Freie Gestaltung der Oberfläche

In der Gestaltung der Benutzeroberfläche ist der Benutzer relativ frei. So kann man die Aufteilung der einzelnen Fenster, die Navigationsleiste und die Symbolleiste nach eigenem Geschmack verändern und den eigenen Erfordernissen oder Vorlieben anpassen.

Import von Mail aus anderen Email-Clients

Für Umsteiger von anderen gängigen Email-Clients (Netscape, Eudora) ist die umfangreiche Importfunktion sicherlich von Interesse, es lassen sich sogar einfache - durch Kommata getrennte - Textfiles importieren, was über einen Zwischenschritt sogar den Import aus anderen Datenbanken möglich macht.

Multi-User fähig

Nicht ganz neu, aber dennoch nennenswert ist die Tatsache, daß Outlook Express natürlich Multi-User fähig ist. D.h., daß mehrere Benutzer eines Rechners unter Windows95/NT Ihre eigenen Einstellungen für Outlook Express definieren können und die Mail- und Newsartikel für jeden Benutzer in einem eigenen Verzeichnis gespeichert werden. Dies geht natürlich nur in Verbindung mit verschiedenen Benutzerprofilen auf dem jeweiligen Betriebssystem. Man sollte hierbei allerdings immer bedenken, daß die Email (sofern lokal auf einem Rechner gespeichert) nicht verschlüsselt abgelegt wird, sondern in nach Verzeichnissen geordneten Dateien im Verzeichnis der Benutzer abgelegt wird. Ein neugieriger Mitbenutzer kann also sehr einfach mal in den Mailverkehr eines anderen Mitbenutzers hineinschnüffeln. Wenn die Email auf einem geschützten (privaten) Verzeichnis auf dem Server gespeichert wird, ist man allerdings normalerweise vor solchen Spionageattacken relativ sicher.

Sicherheit: Verschlüsselung durch digitale IDs

Ein ganz neues Kapitel stellt die integrierte Sicherheitsoption in Outlook Express dar. Erstmals ist es möglich, direkt und ohne große Probleme Email-Nachrichten digital zu signieren, bzw. zu verschlüsseln. Hierzu bedient man sich der Public-Key Methode, die eigentlich durch die Verschlüsselungssoftware PGP (Pretty-Good-Privacy) von Phil Zimmermann erst richtig bekannt wurde. Outlook Express verwendet - ebenso wie Netscapes Messenger - S/MIME zur Verschlüsselung von Nachrichten. Leider ist diese Verschlüsselungsmethode nicht zu PGP kompatibel und eine PGP-Unterstützung in Outlook Express nicht vorgesehen. Um eine Nachricht verschlüsseln zu können ist man auf ein digitales Zertifikat in Form einer digitalen ID von einer sogenannten Zertifizierungsstelle (Trust-Center) wie z.B. Verisign angewiesen. Zu bemängeln ist hier, daß man sich die Sicherheit erst erkaufen muß (abgesehen von dem Angebot, eine zeitlich auf 6 Monate befristete digitale ID kostenfrei bei Verisign zu erwerben). Nach der Installation von Outlook Express befinden sich im Posteingang zwei Nachrichten, von denen eine direkt dem Thema "Sicherheit in Outlook Express" gewidmet ist. Diese Nachricht erklärt sehr ausführlich die Funktion und Benutzung einer digitalen ID. Da erfahrungsgemäß gerade bei der Registrierung oft noch einige Fragen auftauchen finden Sie hierzu noch einige nützliche Hinweise auf unserer Tips & Tricks-Seite zum Thema Digitale Signaturen.

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Letztes Update dieser Seite: 09.01.1998

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